Salento: Apulien trulli

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Otranto: Apulien trulli

  Der Tarantismus Es ist schwer für jemanden, der im Salento lebt, nicht wenigstens einmal von den Tarantate gehört zu haben. Frauen aus einer Zeit, nicht einmal sehr lange her, die während des Sommers, der Erntezeit, auf den Knien gebückt, von der Spinne gestochen wurden, der Tarantel. Und mit dem Stich kam die Krise: starke Bauchschmerzen, Gefühle von Müdigkeit, Bettruhe. Bis nicht jemand die Ursachen des Schmerzes fand und die Behandlung verordnete, musste man ein kleines Orchester rufen, musizieren und die Kranke zum Tanzen animieren. Mit immer lauter werdenden Schlägen und Klängen begann der Tanz der Unglücklichen, auf dem Boden und stehend, kriechend, den Gang der Spinneimitierend, den Kopf kreisend, versuchten sie, die Wände herauf zu klettern. So ging es einen oder mehrere Tag lang. Die Krise wiederholte sich Jahre lang, viel Jahre lang, während der schönen Jahreszeit, mit den immer selben Symptomen, überwunden durch den quälenden Tanz, mit der Erwartung auf seine Rückkehr, 12 Monate später. Darüber schrieben Wissenschaftler, Anthropologen, Ethnologen. Sie suchten die Gründe, beschrieben die Bewegungen und interpretierten die Zeichen. Es ist klar , dass in Apulien keine Spinne existiert, die in der Lage ist, diese Symptome hervorzurufen. Die Gründe des Tarantismus müssen anderswo gesucht werden. Vor allem in der Kultur einer Region, der Pulia, von jeher eine Kreuzung von Völkern und Geschichten, mediterran von Natur aus und Region der Sonne und des Leidens, der alten Riten und unvergessenen heidnischen Symbolen. Geteilte Region und wie alle geteilten Regionen magisch und heilig. Die Spinne wird zum Ausweg, zum Zeichen, zur Stärke, die das Leid auslöst, das tiefer und unterdrückt ist und nie gewonnen hat. Das Leid desjenigen, der die Erde bearbeitet, der Individuen am Rande des sozialen Lebens, die in der Spinne und im Tanz die einzige Möglichkeit finden im Mittelpunkt zu stehen und den Frustrationen eines Jahres Luft zu machen. Nicht ohne Grund bevorzugt die Tarantel Frauen, die Minderheit in der Minderheit, Opfer eines Systems des Patriarchats und der Bäuerlichkeit, welche sie in eine untergeordnete und finstere Rolle verbannte. Mystische Revanche also die Umwälzung der täglichen Regeln, wie einst zum Karneval oder die Geheimnisse des Mittelalters. Für einen Tag ist es möglich verrückt zu sein, zu tanzen. Aber das reicht nicht. Wer eine dieser Frauen tanzend gesehen hat, weiß dass die Tobsucht wirklich, erschütternd und zerreißend ist. Die Kultur kann nicht alleine das tiefe Unwohlsein erklären, die Gründe ausschöpfen. Die Taranteln, die neuen von Puglia, eröffnen einen Kreislauf von noch geheimnisvolleren Symbolen. Von jeher sind die Schlange, die Spinne und andere kriechende Tiere Symbole von Sexualität, Erinnerungen einer matriarchalischen Gesellschaft, erobert von Eindringlingen, die neue Bilder und neue Göttlichkeiten brachten. Apollo, der die Schlange Pitone besiegt, Indra die sich Vrtra entledigt, Iahweh, der den Leviatan gewinnt, der christliche Gott, der die Schlange verurteilte, den Triumph einer Ideologie der Sonne anmerkend , des Männlichen über das Weibliche. Die Spinne ist die Idee des Heimatlandes, das wiederaufblüht, die Stärke alter Rituale und Symbole, nicht besiegt vom Christentum und vom Verstand. Schon im 17 Jahrhundert versuchte die Kirche dem Tarantismus einen christlichen Anstrich zu geben. Heute, am 28. und 29. Juni sind die Tarantati salentini zählbar immer weniger gezwungen ihren Tanz am Tag San Paolo zu wiederholen, im Inneren der Kirche von Galatina.

 

 

 

 

 
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