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Die Nacht der Taranteln
Der Exorzismus um den Biss der Tarantel hat noch immer nichts von seiner Faszination verloren. Deshalb füllen sich die Dörfer des Salentos alljährlich mit tausenden Personen, Touristen oder Neugierigen, wenn im Sommer Abendveranstalten zu Ehren der sog. Pizzica pizzica organisiert werden. Höhepunkt der Veranstaltung ist die hoch gefeierte Nacht der Tarantel, die, seit einigen Jahren, jeden 17. August im kleinen Melpignano, nahe des Klosters der Augustinermoenche, das den glänzenden Rahmen der Veranstaltung bildet, stattfindet. Diese Veranstaltung ist in den letzten Jahren eine der meist erwarteten geworden, sowohl von Seiten der Salentiner, als auch von der der Touristen, die vom Rhythmus und den Tänzen angezogen werden, die während der Konzerte auf den Plätzen der Grecìa Salentina Zono stattfinden. Grecìa Salentina ist die geografische Zone des Salentos, in der eine antike Sprache erhalten ist, die sich im Zusammenschluss mit der griechischen Kultur erklärt, der in einer lange vergangenen Zeit auf der Halbinsel Salentina, mit der Kultur und der Sprache des Salentos stattfand. Die so entstandene Sprache erhielt den Namen Griko. Die Idee zu dieser Veranstaltung ist 1998 entstanden, als beschlossen wurde, im Inneren des griechisch sprechenden Raums ein großes Konzert zu veranstalten, in dem die lokale Volksmusik mit anderen musikalischen Traditionen verbunden wurde. So revitalisierte und stabilisierte man außerdem eine neue Form des Komponierens zeitgenössischer Musik. Ikone der Veranstaltung war die Tarantel, ein mystisches Tier, in dessen Biss die Mitglieder der Arbeiterklasse des Salentos eine mythische Funktion sahen. Nach Ernesto De Martino drückt der Biss die verschlüsselten psychischen Konflikte aus, die aus dem Unterbewusstsein auftauchen. Die Nacht der Tarantel erfreut sich mittlerweile bemerkenswerter Beachtung auf nationaler und internationaler Ebene. Ihr Charme lockt große Musiker in das Kloster der Augustinermoenche, die sich dort mit den Musikgruppen der Gegend zusammenschließen und eine jahrhunderte alte Tradition wiederbeleben. Die Veranstaltung wird nunmehr als feste Tradition jedes Sommers im Salento angesehen und als ein lokales Identitätsmerkmal empfunden. Die Behörde der Grecìa haben, in der Hoffnung auf steigende Touristenzahlen, entschieden diese Veranstaltung auszubauen. Daraus, dass am letzten Abends circa 50000 Personen anwesend waren, lässt sich bedenkenlos schlussfolgern, dass der Versuch geglückt ist. In den letzten Jahren erfreute sich die Nacht der Tarantel großer Aufmerksamkeit, wurde live im Fernsehen übertragen, verbreitete die Kultur des Salentos über die Grenzen von Puglia hinaus und gab der Legende vom Salento, als Region der Gewissensbisse neuen Nährboden.
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